st-lorenz-schoeningen
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Zur Geschichte
Baugeschichte der Klosterkirche
Außenbau
Innenraum
Malereien
Ausstattung
Die archäologischen Befunde

Zur Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Lorenz

Auf einer Anhöhe am Elmhang liegt das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift St. Lorenz. Seine Kirche mit ihrer Doppelturmanlage im Osten ist in der hügeligen Landschaft von weitem sichtbar und gilt gemeinhin als Wahrzeichen der Stadt. Von allen Ortschaften des ehemaligen Herzogtums Braunschweig wird Schöningen als Erste urkundlich genannt, als 748 Pippin der Kurze auf seinem Marsch nach Ohrum, wo sein Bruder Gripho mit seinem Heer gegen ihn stand, bei Schöningen sein Lager bezog. Im Jahre 784 berührte Karl der Große bei seinen Sachsenfeldzügen den Ort, und 994/95 hielt Kaiser Otto III. in Schöningen Hof, was vermuten lässt, dass sich hier ein Königshof befunden haben muss. Es ist anzunehmen, dass der Königshof, die curtis regis, an der Stelle stand, an der die heutige Klosterkirche St. Lorenz steht. Neueste archäologische Funde bestätigen diese Annahme. Schöningen lag an einer alten Heer- und Handelsstraße, die einmal aus einem sächsischen Deiweg (Volksweg) hervorgegangen war, der sich hier nach Westen in zwei Teile gabelte. Zu der am Südostrand des Elms verkehrstechnisch wichtigen Lag kam das Salzvorkommen als wirtschaftsfördernder Faktor hinzu.

Es wird berichtet, dass im 10. Jahrhundert Gräfin Oda, Tochter des Grafen Dietrich von der Nordmark und seit 977 Gemahlin Herzog Mislavs I. von Polen, in Calbe ein Benediktinerinnenkloster gegründet hat. Während des Slawenaufstandes 983 wurde das Kloster verwüstet und nach Schöningen, so heißt es, an die Stelle des späteren Ostendorf verlegt. Die Gräfin flüchtete nach Quedlinburg und die Nonnen gelangten über die Grenze nach Schöningen, wo sie auf eigenem Boden ihr neues Kloster gründeten. Anfang des 12. Jahrhunderts begann sich die Kirche von der Bevormundung weltlicher Herrscher zu lösen. Diesen Reformen hatte sich auch Bischof Reinhard von Halberstadt angeschlossen und verlangte dementsprechend von den Nonnen den endgültigen Verzicht auf ihre Beziehung zum weltlichen Leben. Diese weigerten sich, ihre alten verbrieften Rechte aufzugeben, woraufhin der Bischof 1119 das Kloster aufhob, "da jene Vereinigung der zum Kloster Gehörenden (...) unnütz und fruchtlos gegenüber der heiligen Bindung sei und sie bar jeder Ehrenhaftigkeit ihre Tage verbrächten".

Der Bischof verteilte die Nonnen auf benachbarte Klöster und gründete zur Verwirklichung seiner Reformpläne 1120 das Kloster St- Laurentius. Besetzt wurde das Kloster mit Augustiner-Chorherren aus dem benachbarten Hamersleben. Das ehemalige Nonnenkloster erwies sich als ungeeignet für Mönche, so dass der Bischof ihnen seine im oberen Teil Schöningens gelegene bischöfliche Kurie schenkte, um dort ein geeignetes Kloster zu errichten, das dem hl. Laurentius geweiht werden sollte. Der Halbetstädter Bischof Reinhard verlieh dem Kloster auch alle Rechte und Güter, die das ehemalige Nonnenkloster besaß. Das Chorherrenstift sollte zu einem Vorbild sittenreicher, strenger Zucht und wissenschaftlicher Arbeit werden.

Dem Kloster müssen zur Zeit seiner Gründung beträchtliche Mittel zur Verfügung gestanden haben. Zu den ehemaligen Besitztümern der Nonnen kamen weitere Neuerwerbungen in der Umgebung von Schöningen sowie die utilitas salis, das Salznutzungsrecht über drei Salzkoten. Neben 135 Hufen (1 Huf = 30 Morgen) Ackerland besaß das Kloster noch Wiesen, Wälder, Weinberge und zahlreiche Gehöfte, Häuser und Mühlen. Als Schutzvogt des Konvents war der begüterte und mächtige Pfalzgraf Friedrich von Sommerschenburg gewählt worden, der jedoch die Ausübung auf den Grafen Gebhard von Hornburg übertrug. Erst zur Zeit der Reformation und Gegenreformation verlor das Kloster seine wirtschaftliche Macht. Nach der Säkularisation 1648 wurde das Kloster zur evangelisch-lutherischen Gemeinde. Von der Klosteranlage sind nur noch Reste der Konventgebäude und der Mauer, welche die Anlage umgibt, sowie Fundamentreste des Kreuzganges erhalten.

Die Gebäude des Klosterguts sind im Besitz eines Golfclubs.