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Die archäologischen Befunde

Die archäologischen Befunde des Klosters  Von Michael Braune

Wegen der Anfang der 1990er Jahre geplanten Umnutzung der landwirtschaftlichen Gebäude des ehemaligen Klostergutes auf der Nordseite der St. Lorenzkirche führte das Landesamt für Denkmalpflege umfassende archäologische Voruntersuchungen durch, die heute nach fast zehnjähriger Arbeit ein recht genaues Bild der klösterlichen Bebauung unter den Augustiner-Chorherren ermöglichen, gleichzeitig aber auch die Grenzen der Erkenntnisse hinsichtlich des vorklösterlichen Zustandes deutlich machen.

Bereits beim ersten Grabungsschnitt auf der Nordseite der Kirche konnten die Fundamente des romanischen Seitenschiffes freigelegt werden, die zwei unterschiedliche Fundamentzüge, beide aus vorromanischer Zeit stammend, überbauten.

Da diese vermörtelten Steinsetzungen unter die heutige Kirche zogen, waren sie zwar bei der Umgestaltung des Innenraumes der Kirche (1975) bemerkt, allerdings nicht dokumentiert worden. Uns begegneten diese vorromanischen Mauern nicht allein auf der Nordseite, sondern auch entlang der gesamten Bebauung im Westen. Die durch Radiokarbonmethode gewonnenen Datierungen von Holzkohlepartikeln im Kalkmörtel ergaben zwei Perioden von 550 bis 880 sowie von 990 bis 1160, so dass die erste Erwähnung von Schöningen aus dem Jahr 748 und die eines Königshofes (curia regis), in dem Kaiser Otto III. (983-1002) mehrfach geurkundet hat, durchaus mit den archäologischen Befunden in Zusammenhang zu sehen sind, zumal die aufgefundenen Wandstärken von bis zu 1,30m in der damaligen Zeit zu einer wehrhaften Bebauung gehört haben müssen.

Während sich die archäologischen Nachweise der Fundamente der romanischen Klosteranlage bis in Details wie unterschiedliche Kelleranlagen und immerhin neun Heißluft-Heizungen erstrecken, konnten wir keinen Nachweis eines Westabschlusses der romanischen Kirche feststellen, weil dieser - sofern er denn bestanden hat - durch gotische Kellerbauten und andere Abbruchmaßnahmen entfernt worden war und möglicherweise weiter westlich freigelegte ältere Fundamente mitbenutzt wurden.

Dem geschärften Blick des Betrachters bleibt nicht verborgen, dass die landwirtschaftlichen Gebäude vor allem auf der Ostseite, aber auch auf der Westseite das spätgotische Mauerwerk des Kreuzgangs mit seinen Kreuzstockfenstern bei ihren Umbauten einbezogen haben. Noch heute ist der östliche Kreuzgang auch im Inneren ablesbar mit seinen gotischen Türlaibungen (inschriftlich 1457 datiert), deren Schwellen die ursprüngliche Fußbodenhöhe anzeigen, seinen beiden abgeknickten Treppen in die gewölbten Keller, die den gesamten Ostflügel unterziehen, seiner Flachdecke und vor allem seinen rot-schwarzen Rankenmalereien, die 1999 von der FH Hildesheim, Studiengang Restaurierung, gefestigt wurden.

Bekanntlich nutzte man Kreuzgänge zum Bestatten der Klosterangehörigen und seit Pabst Honorius III. (1227) auch für gut situierte weltliche Personen. In St. Lorenz wurden unter dem romanischen und dem gotischen Kreuzgang, die nur durch den Südflügel im Grundriss von einander abweichen, mehr als 90 Bestattungen geborgen, von denen mindestens eine in die vorromanische Zeit datiert, weil sie bereits durch das romanische Kreuzgangfundament durchschnitten wird. Das reiche Fundgut besteht überwiegend aus feinkeramischem Material, beginnend mit Fragmenten aus fränkischer Zeit bis zur einfachen Gebrauchskeramik der früheren Neuzeit, aus Ofenkacheln von den ersten Erscheinungsformen der Topfkachel bis hin zu den üppig dekorierten Kacheln der Renaissance. Kleinfunde aus Metall, wie Münzen, Schlüssel, Schnallen, verzierte Buchschließen und Schreibgriffel, ermöglichen einen kleinen Einblick in das klösterliche Leben der Augustiner-Chorherren, die hier von 1120 bis 1574 wirkten.